Edda Seidl-Reiter

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Ausstellung Capella Magica

 

 

Dr. Monika Keller in ihrer Rede zur Eröffnung meiner Ausstellung:

“[…] Nicht beauftragt, sondern von sich selbst ermächtigt, formt die Künstlerin Edda Seidl-Reiter einen Ausstellungsraum zu einer Kapelle um. Der Wunsch nach Ausstattung einer Kapelle entwickelte sich bei ihr nach und nach. Ein erster Gedanke kam ihr 1999 beim Anblick der noch leeren und tristen Klosterkirche des ehemaligen Zisterzienserklosters Plasy in Tschechien, in das die Künstlerin zu einem „Artist in Residence“ Aufenthalt eingeladen worden war. Die total leere Kirche erschien der Künstlerin ein wenig unheimlich – sie fiel ja den josefinischen Reformbestrebungen und dann noch dem tschechischen Sozialismus zum Opfer. […] Für Edda Seidl-Reiter war es die leere Kirche, die sie inspirierte, sie wollte mit Bildern der Kirche und damit auch ihrer finsteren Vergangenheit ein wenig Unheimlichkeit nehmen.

Im Wunsch nach Ausstattung derselben kamen der Künstlerin zugleich erste Assoziationen zu Michelangelos Fresken in der Sixtinischen Kapelle, welcher er noch im hohen Alter gestaltete.

Danach beschäftigte sie sich immer intensiver mit der christlichen Ikonographie – zahlreiche Kreuzwegzyklen, aber auch Marienzyklen entstanden, die Bildprogramme kirchlicher Räume sollten sie fortan nicht mehr loslassen. So ziert in ihrem Heimatort Julbach jede Fastenzeit auch ein in Art Commun erstelltes Fastentuch, bei dem die Künstlerin mit den Bewohnern des Ortes zusammenarbeitete.

[…]

Aber die Künstlerin bleibt nicht bei der farbigen Interpretation der Fresken Michelangelos stehen, mit ihrer Weißen Sixis geht sie einen Schritt weiter und kommt zugleich dem Textilen wieder näher. In der 2009 entstandenen 28teiligen Serie der Weißen Six verzichtet die Künstlerin auf pastose Farblichkeit und konzentriert sich auf wenige aussagekräftige Linien mit zarten Farbandeutungen. Reduzierte Bildsprache, reduzierte Farblichkeit, reduzierte Striche. Damit gibt sie dem Weichen und Zarten eine besondere Note. Auch in der Motivik konzentriert sie sich auf zarten Ausdruck und zentrale Posen. Dazu webt sie sich wieder ins Bildprogramm ein, indem sie mit Schnitten die Leinwand zerstört. Gleichzeitig wird der daraus entstehende Abfall umfunktioniert. Er wird zum Faden, zum Flechtmaterial und verweist subtil auf ihre textile Könnerschaft. […]“

Link zum Download der gesamten Rede.

Dr. Monika Keller, Kunstwissenschaftlerin, hat sich in ihrer Dissertation ausführlich mit dem Werk von Edda Seidl-Reiter beschäftigt.

Hier geht es zum Blog von Dr. Monika Keller:

Textil in der zeitgenössischen bildenden Kunst