Edda Seidl-Reiter

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Mutmacherin Juli 2019

 

1940 in Wien geboren, hat sich Edda Seidl-Reiter seit jeher der Kunst in all ihren Facetten verschrieben. Sie hat sich für die Gleichstellung der Frau in der Kunst genauso eingesetzt wie für die steuerliche Absetzbarkeit der Kunst in der Bundeskonferenz der bildenden Künste in den 1980er-Jahren.

Bereits mit sieben Jahren begannen ihre „Wanderjahre“ mit einem Kindertransport in die Schweiz, wo sie einige Monate die Schule besuchte. Daheim hatte die Familie – wie viele andere auch – wenig zu essen und so wurde sie für ein knappes halbes Jahr bei einer Landwirtsfamilie aufgepäppelt. Später, in ihren Zwanzigern, bekam sie durch den British Council ein Scholarship für vier Trimester an der Slade School of Fine Arts, wo sie Siebdruck studiert hat. Ab ihrem 21. Lebensjahr hat sie erfolgreich an internationalen Ausstellungen teilgenommen. Prägend für ihre Kunst und ihre Entwicklung als Künstlerin war auch ein zweimonatiges Stipendium in New York im Jahr 1994, als sie bereits in ihren Fünfzigern war.

Mut hat die dynamische und doch ausgeglichene Künstlerin bewiesen, als sie 1977 die Internationale Aktionsgemeinschaft bildender Künstlerinnen gegründet hat, um die Karriere von Künstlerinnen mit der ihrer männlichen Kolleginnen gleichzustellen. In der Bundeskonferenz war sie Repräsentantin für bildende Künste und hat quasi ein gemeinsames Sprachrohr für Künstler aus der Musik, der Malerei, der Bildhauerei bis hin zur Architektur gebildet. Während die Bundeskonferenz nur ein kurzes Dasein fristete, gibt es die Intakt noch immer.

Heute ist sie froh, dass sie sich auf anderen Ebenen verwirklichen konnte und kann, wie zum Beispiel der Gestaltung des Julbacher Fastentuches oder der Beschäftigung mit der Sprache der Mühlviertler und einer Textilkartei mit textilen Ausdrücken. Meilensteine waren auch die Entwicklung der Polsterschlacht für Erwachsene als aggressionsabbauendes Mittel durch Textilkunst oder die Begrünung einer trostlosen Feuermauer in Wien durch das chlorophyll-assimilierende Netz, das eine Verbindung von Kunst und Natur darstellt, um das Leben in die Stadt zu bringen.

Frauen in den skandinavischen Ländern hält sie für selbstbewusster als österreichische und leitet daraus bessere Chancen in der Arbeitswelt ab. Als eine, die selbst immer mutig neue Wege gegangen ist hofft sie, dass Frauen künftig selbstbewusster gegenüber dem Handwerk im Allgemeinen und ihren eigenen Fähigkeiten im Speziellen dastehen. Sie möchte jeder Frau ans Herz legen, sich selber zu achten und auch gegen jede Unbill einfach das zu tun, was sie für richtig hält.

Für sich selbst erhofft sich die emanzipierte Kunstschaffende noch die Verwirklichung ihrer drei geplanten Publikationen, allen voran eine weitere Fassung des „Juiwegga Dudns“. Mit der ihr innewohnenden Ausdauer und Ruhe hat sie die besten Voraussetzungen dafür.

Link: https://www.mutmacherinnen.at/